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Wissen: Unser Stromnetz in Deutschland

Grundlagen einfach erklärt


Wir danken unserem guten Kollegen Gregor Dachs von Dachs Energy für die Unterstützung und den tollen Beitrag über das Stromnetz.
Die Sendung mit dem Dachs – heute: Das Stromnetz

Heute wollen wir mal in die Welt der Stromnetze einsteigen. Das Thema klingt, wie der erste Teil gleich zeigen wird, eigentlich ganz einfach. Es muss prinzipiell ja nur eine Leitung von A nach B verlegt werden und fertig ist das Stromnetz.

Lasst uns mal bei den Grundlagen anfangen:

Der Begriff Stromnetz ist eigentlich ein Überbegriff für verschiedenste elektrische Leitungssysteme, die den Strom von den großen konventionellen Kraftwerken, Solar-, Wasserkraftwerken oder auch Windrädern zu allen Stromverbrauchern leiten. Unter diese Leitungssysteme fallen zum Beispiel die Freileitungen mit den hohen Strommasten, die schon immer unser Landschaftsbild mit prägen und lustigerweise auch immer wieder in den Logos von Bürgerenergiegenossenschaften und regionalen Energieversorgern auftauchen, obwohl gerade die regionale Energieerzeugung nicht unbedingt auf die großen Freileitungen angewiesen ist.

Teil des Leitungssystems ist aber auch das Stromkabel, das den Strom bis zu unserer Steckdose im Wohnzimmer transportiert.

Der Begriff Stromnetz verrät uns dann noch, dass die Stromleitungen sich an vielen Stellen treffen und sogenannte Verteilungsknoten bilden, die man sich bildlich wie die Knoten in einem Fischernetz vorstellen kann. Allerdings sind die Maschen im Stromnetz eher nicht symmetrisch aufgebaut. Vielmehr ist das Stromnetz in den Gegenden umso dichter „gestrickt“, in denen viele Menschen leben oder viele Industriebetriebe angesiedelt sind.

So ein Stromnetz kann man im Prinzip ganz klein aufbauen. Zum Beispiel bildet der Beleuchtungsaufbau in der heimischen Weihnachtskrippe schon ein kleines Stromnetz. Dort wird die elektrische Energie, die für die Glühlämpchen der Krippe benötigt wird, von einer Stromquelle oder Batterie über mehrere Kabel zu den Glühlämpchen geleitet. Hier kann man dann noch einzelne Leitungsabzweige (und damit auch die Lämpchen) über Schalter ab- und wieder zuschalten. Ist die Stromquelle der Krippe an die Steckdose im Wohnzimmer angeschlossen, spricht man von einem netzgekoppelten Leitungsnetz, weil die Steckdose eine Verbindung zum öffentlichen Stromnetz herstellt. Sofern eine Batterie als Stromquelle genutzt wird, braucht man die Steckdose nicht und man spricht hierbei von einem „Inselnetz“, weil keine Verbindung zum öffentlichen Stromnetz besteht.

Nun mal kurz zum Begriff des öffentlichen Stromnetzes: Damit ist das Leitungsnetz gemeint, das von einem öffentlichen Netzbetreiber „betrieben“ wird, um den Strom von einem Stromerzeuger an den Stromverbraucher durchzuleiten. Der Netzbetreiber schließt die Stromverbraucher auf Anfrage - und gegen Bezahlung versteht sich - an sein Stromnetz an. Das geschieht zum Beispiel durch die Verlegung eines Stromkabels bis zum Hauptanschlusskasten beim Bau eines neuen Hauses. Oder auch, wenn Ihre Solaranlage an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wird. Wie das geht? Wir knnen Ihnen helfen!

Der Netzbetreiber war früher zu den guten alten Zeiten meist noch der Stromerzeuger selbst. Das ist aber mittlerweile schon Geschichte aufgrund von gesetzlichen Verpflichtungen zur Trennung der Unternehmensbereiche von Stromerzeugung und Netzbetrieb.

Das öffentliche Stromnetz gibt’s nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Die Stromleitungen enden also an unseren Grenzen nicht und auch der transportierte Strom macht dort keinen Halt. Vielmehr laufen die Stromleitungen in den angrenzenden Ländern weiter. Es gibt sogar „Seekabel“ die den Strom am Meeresboden bis nach Großbritannien leiten.

Die enorme Ausdehnung des Netzes ermöglicht, dass wir unseren Stromüberschuss an unsere Nachbarn abgeben oder auch Versorgungsengpässe über unsere Freunde im Ausland decken können. Eigentlich ja ne tolle Sache.

Nun folgt ein kleiner Ausflug ins deutsche Stromnetz:

Das hat eine Gesamtlänge, also alle öffentlichen Leitungen zusammengerechnet, von über 1,78 Millionen Kilometern. Das sind schwer vorstellbare 1.780.000.000 m! Damit könnte man eine Leitung ca. 45 Mal um die Erde wickeln. Wir sind also hammermäßig vernetzt und vermascht in unserem Netz in Deutschland und können auch nicht genau sagen, woher denn unser Strom genau kommt, außer wir erzeugen unseren Strom zu Hause selbst. In diesem Fall bleibt der Strom nämlich faul und scheut einen langen und verlustreichen Umweg über das öffentliche Stromnetz.

Faustformel: Die elektrische Energie kann wirtschaftlich sinnvoll so viele Kilometer transportiert werden, wie ihre Nennspannung in kV beträgt. Es kann also ein Strom mit einer Nennspannung von 380 kV ohne Zwischenstation ca. 380 km weit transportiert werden.